Gemeinsame Jahrestagung 2016 der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung und der Copernicus-Vereinigung für Geschichte und Landeskunde Westpreußens e.V.

Vom 5. bis zum 8. Mai 2016 fand im Warendorf in Nordrhein-Westfalen zum zweiten Mal eine gemeinsame wissenschaftliche Tagung der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung und der Copernicus-Vereinigung für Geschichte und Landeskunde Westpreußens e.V. statt. Zu ihrem Leitgedanken wurde ein Begriff erhoben, der erst seit den 90er Jahren im historischen Diskurs gebräuchlich wird: Erinnerungskultur. Der Terminus wurde zunächst hauptsächlich mit der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus verknüpft. Erst Anfang des 21. Jahrhunderts werden er und das dahinterstehende Denken über Geschichte und ihre Erforschung universeller verstanden, nämlich als weit gefasster Umgang mit der Vergangenheit. Das Thema der Jahrestagung in Warendorf – „Erinnerungskultur und Museen am Beispiel des Preußenlands“ – wurde von neuesten Epochen übergreifenden Forschungen zur Erinnerungskultur inspiriert und vertrat auch ihre Ideen und Methoden.

Die Tagung wurde von Museumsleiter Dr. Lothar Hyss eröffnet, der die Teilnehmer in den Räumen seines Hauses, eines ehemaligen Franziskanerklosters, begrüßte. Sie wurden ferner von Doris Kaiser, der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Warendorf, willkommen geheißen, die die Bedeutung des Museums und seiner Aktivitäten für die Stadt hervor. Mit den Worten des israelischen Historikers Menachem Ben Sasson, „Geschichte wirft nicht nur Schatten auf die Gegenwart, sondern auch Licht“, betonte sie die Notwendigkeit der Sensibilisierung für Geschichte.

Der erste Vorsitzende der der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung Prof. Dr. Arno Mentzel-Reuters erläuterte den Anwesenden in seinem Grußwort die Leitidee zum Tagungsthema. Er sprach über die Kultur der Erinnerung in der Vergangenheit, u. a. über zwei Begriffe aus der Theorie und Praxis des Gedenkens an Verstorbene, die im Mittelalter erscheinen: commemoratio und recordatio. Dem Versuch der Erinnerung zugrunde liegt der Versuch, die Vergangenheit lebendig zu halten.  Der Vorsitzende der Copernicus-Vereinigung für Geschichte und Landeskunde Westpreußens e.V. wurde von PD Dr. Sven Tode wies darauf hin, wie stark Geschichte von dem Denken an geographisch-kulturelle Räume geprägt ist und welchen Einfluss sie auf die kollektive Erinnerung an die Vergangenheit haben. Ein Beispiel dafür könne gerade das Westpreußische Landesmuseum mit seinem Sitz in Warendort in Nordrhein-Westfalen sein. Eine kurze Einführung in die Thematik der Tagung und ihren geplanten Verlauf gab PD Dr. Marie-Luise Heckmann mit ihren Ausführungen über den Ursprung des Begriffes „Erinnerungskultur“ und die Entwicklung seiner Bedeutung in der modernen Geschichtswissenschaft: Der Terminus ist seit dem 20. Jahrhundert bekannt, kam aus der Didaktik und ist eng mit dem englischen Begriff „public history“ verbunden.

Der erste Sitzungsblock war mit dem Titel „Formen der Erinnerungskultur“ überschrieben und begann mit dem Vortrag von Dr. Dieter Heckmann über die Erinnerung des Deutschen Ordens an das Heilige Land. Das Thema wurde vor allem an Beispielen von Gebäuden dargestellt. Der Referent wies auf die charakteristischen Burgen-Typen sowie weitere Elemente der Architektur hin, die er als eine bewusste Schöpfung des Ordens herausstellte. Orientalische Komponenten der Bauten könnten ein Hinweis darauf sein, dass die Architektur Jerusalems zum Vorbild genommen worden ist. Einflüsse aufgrund des Aufenthalts des Ordens im Heiligen Land könne man auch bei der Wahl und Vergabe von Ortsnamen vermuten, wie zum Beispiel bei der Stadt Torun, ferner in Wappen, u. a. im Hochmeisterbanner von 1410. Noch in der Barockzeit war die Erinnerung an das Heilige Land lebendig, in Wappen, in Siegelbildnissen sowie bei den Namen von einigen der Ritter zu bemerken.

Prof. Jürgen Sarnowsky stellte die Erinnerung an den Deutschen Orden in Preußen und allgemein im Reich vom Ende des 18. bis ins 20. Jahrhundert und die in dieser Zeit geschehene Veränderung der kollektiven Wahrnehmung dar. Das zuerst negativ geprägte Bild der Ritter, das unter anderem in den Werken von deutschen Philosophen des 18. Jahrhunderts zu sehen ist, wandelte sich allmählich im Laufe der nächsten hundert Jahre diametral. Um 1870 war der Orden zum Symbol deutscher Stärke geworden. Dabei hatte die Vorstellung über ihn wenig mit der realen Ordensgeschichte zu tun und diente auch politischen Zwecken.

Der nächste Sitzungsblock wurde mit dem Vortrag von PD Dr. Sven Tode unter dem Titel „Konfessionelle Aspekte der Erinnerungskultur an das Preußenland“ eröffnet. Er stellte Zusammenhänge zwischen der räumlichen und konfessionellen Identität dar und analysierte den Einfluss des gemeinsamen, staatlich geförderten Glaubens auf das Gemeinwesen. Das Herzogtum Preußen, das erste evangelische Territorium mit straffer landesherrlicher Verwaltung, war ein Staat, in dem der Herrscher dessen Religion bestimmte und durch moderne Instrumente kontrollierte. Es kam zur Besoldung der Pfarrer durch den Landeherrn, es erschienen zahlreiche Bekenntnisschriften und die Universität in Königsberg bot die Ausbildung von Theologen an. Für umstritten befand der Referent die Feststellung, dass die Konfession keinen Einfluss auf die Nationalitätsbildung gehabt habe und Preußen in dieser Zeit weder Deutsche noch Polen gewesen seien.

Einen Blick auf die heutige Erinnerungskultur in der Kaschubei warf Roland Borchers, wissenschaftlicher Koordinator des Projekts „Erinnerung und Identität in der Kaschubei“, das am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin angesiedelt ist. Der Vortrag wurde mit der Vorstellung der Kaschuben und weiter ihrer spezifischen Geschichte zwischen Polen und Deutschen eingeleitet, welche starken Einfluss auf die Bildung des Nationalbewusstseins hatte. Die heutige Erinnerungskultur in der Kaschubei wurde hauptsächlich durch den Schulunterricht geprägt, dessen Lehrinhalte für ganz Polen einheitlich formuliert wurden und die wenig Zeit für die Regionalgeschichte vorsahen. In der Folge geht die Erinnerung an den II. Weltkrieg vom Generalgouvernement aus und wird vor allem durch kaschubische Familiengeschichten, Erinnerung an die Befreiungsbewegungen sowie sehr präsente Denkmäler, Gedenktafeln usw. über die deutschen Verbrechen ergänzt. Die ehemaligen deutschen Nachbarn werden jetzt zu Randfiguren, Fremden, Verrätern und Verbrechern. Den Kaschuben ist dabei bewusst, dass sie unterdrückt wurden, weil sie sich als Polen wahrgenommen haben. Juden sind in der Erinnerungskultur der Region kaum anwesend, sie bildeten vor dem Krieg eine eher kleine Gruppe. Generell wird die Germanisierung negativ wahrgenommen und im Gegensatz dazu die Polonisierung als Modernisierung angesehen.

Prof. Ruth Leiserowitz beschrieb die heutige jüdische Perspektive auf das Preußenland, vor allem aus der Sicht der ehemaligen Bewohner der Städte Memel (Klaipėda, Litauen), Goldap (Gołdap, Polen) und Insterburg (Czerniachowsk, Kaliningrader Gebiet) und ihrer Nachkommen, die hierzu interviewt wurden. Die erste Generation, die der Überlebenden, wollte zuerst nichts mehr von der alten Heimat wissen und keine Kontakte mit Deutschland unterhalten. Jahre später folgten Erinnerungen und auch Besuche. Andere Sichtweisen haben die Kinder der Auswanderer: Gerne nehmen sie Recherchen bezüglich der familiären Vergangenheit vor. Die Enkel gehen oft noch weiter und betreiben ernsthafte Familienforschung. Charakteristisch ist, dass sie oftmals keine allgemeinen Kenntnisse haben und beispielsweise Ostpreußen für ein katholisches Land halten.

Die Familienforschung war auch Thema des nächsten Vortrags von Dr. Andreas Billert, der  Methoden und Ergebnisse seiner Recherchen zur eigenen Familie dargestellte. Die Erinnerungen an die Geschichte übermittelt er seinen jüngeren Verwandten als sog. „zeiträumliche Karten“, eine Sammlung der nicht eng verbundener Anekdoten und Erzählungen, die erst später eine Gesamtheit bilden.

Die Abendsitzung wurde mit dem Vortrag von Dr. Wulf Wagner über die Schlösser, Höfe und Häuser in Ostpreußen sowie den eigenen Weg zu diesem Thema und die Durchführung der Forschung begonnen. In seinem zuletzt veröffentlichten Buch, das unter dem Titel „Das Rittergut Truntlack 1446–1945“ (2 Bände, 2014) erschien, analysierte er sowohl die Bau- als auch Kulturgeschichte des Gutes in Nordenburg ( Крылово), das heute in der russischen Oblast Kaliningrad liegt. Dabei wurde kaum ein Themengebiet ausgelassen. Auf  Nachfrage gab der Referent an, das Gut sei im Allgemeinen eher schlecht bewirtschaftet und kleinere Höfe in der Gegend moderner gewesen.

Der nächste Vortrag von Reinhard Wenzel, dem Vorsitzenden des Familienvereins für West- und Ostpreußen, hatte wieder einen persönlicheren Charakter. Er berichtete über die Erfahrungen seiner eigenen Familie, die als Beispiel für das generelle Schicksal der Deutschen aus diesen Gebieten zum Ende des Krieges genommen werden kann, und stellte damit Tendenzen der Erinnerungskultur der Vertriebenen unter der Überschrift „Verlorene Heimat – Die familiäre Erinnerungskultur von Vertriebenen aus West- und Ostpreußen“ dar. Seine Forschung wurde durch familiäre Überlieferungen initiiert. So begeisterten ihn die Tagebücher des Vaters, in denen etwa die Erinnerungen aus dem Polenfeldzug zu lesen sind. Das von den Verwandten Gehörte hat er versucht, historisch zu verorten.

Im Abendvortrag referierte Prof. Dr. Christofer Herrmann über „Die Wiederentdeckung und ‚In-Dienst-Stellung‘ der Marienburg für die preußische Geschichtsschreibung an der Wende zum 19. Jahrhundert“. Das Thema wird im Rahmen eines Forschungsprojekts bearbeitet und betrifft die allmähliche Wandlung in der Wahrnehmung des Deutschen Ordens und seiner Bedeutung für das Land unter der Bevölkerung des Königreichs Preußen. Die anfänglich negative Bewertung seiner Herrschaftszeit, die auch in der Geringschätzung der Architektur des Ordensstaates ihren Ausdruck fand, wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Begeisterung für den Orden selbst und für alle erhaltenen Artefakte seiner Herrschaft ersetzt. Herrmann schilderte das Thema am Beispiel der ehemaligen Hochmeisterresidenz Marienburg und konstatierte, dass das Schloss in der Mitte des 18. Jahrhunderts fast vergessen war. Erst eine Ausstellung Friedrich Gillys 1795 in Berlin mit Aquarellen der Marienburg weckte ein plötzliches Interesse der Öffentlichkeit und wurde zum Wendepunkt, von dem aus sich eine positive Beurteilung des Deutschen Ordens entwickelte. Diese führte zu Restaurierungsmaßnahmen und letztendlich zum Wideraufbau des Schlosses. Die politischen Vorteile wurden schnell erkannt und so wurde bekannt gemacht, dass die finanziellen Kosten von „König und Volk“ zu tragen waren. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Deutsche Orden unter der preußischen Bevölkerung allmählich als Überbringer des deutschen Geistes nach Osten propagiert und zum deutschen Nationalsymbol erhoben.

Den ersten Sitzungsblock am 7. Mai moderierte Prof. Dr. Udo Arnold, der eine Einführung in die Renovierungsmaßnamen der Marienkapelle in Marienburg gab. Es wurden Fotos von den architektonischen Details präsentiert, von Gewölben, Fragmenten der Mauern sowie der weiteren Ausstattung (z. B. der Figur Marias mit dem Jesuskind), die eine konservatorische Behandlung benötigten. PD Dr. Sven Tode trug den Jahresbericht über die Forschungs-Aktivitäten der Copernicus-Vereinigung für Geschichte und Landeskunde Westpreußens, die gerade ihr 55jähriges Jubiläum feierte. Es wurden vier besondere Forschungsschwerpunkte formuliert und in diesem Zusammenhang Förderpreise und Stipendien vorgestellt. Auch andere durchgeführte Projekte und geplante Aktivitäten in Bezug auf Veröffentlichungen und Veranstaltungen kamen zur Sprache.

Der nächste Sitzungsblock unter dem Titel „Der Weg der Erinnerungskultur ins Museum“ und umfasste drei Vorträge. Dr. Thomas Lindner, Referent bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), erläuterte aktuelle Aspekte der Förderungspolitik der Bundesrepublik Deutschland für die Institutionen, die die Erinnerung an die Geschichte der Deutschen im Osten und deren Flucht und Vertreibung bewahren, bearbeiten und bekannt machen, gemäß dem 1953 verabschiedeten Bundesvertriebenengesetz, insbesondere seinem sog. Kulturparagraphen 96: „Bund und Länder haben entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten, Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Einrichtungen des Kulturschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu fördern.“ Nach kurzer allgemeiner Einführung über die Flucht und Vertreibung in Europa im 20. Jahrhundert zählte Dr. Lindner alle deutschen Institutionen im Lande und Ausland auf, die sich mit dieser Thematik beschäftigen – Museen, Stiftungen und Bibliotheken – und von der BKM unterstützt werden. Auch zahlreiche internationale Vorhaben wurden bis heute gefördert. Erklärte Ziele sind dabei Erforschung und Vermittlung von Kultur und Geschichte der Deutschen im Osten, der Erhalt deutscher Kulturdenkmäler, Sicherung der Archivalien sowie Präsentationen. Als Beispiel nannte der Referent ein deutsch-polnisches Projekt „Adel in Schlesien und in der Oberlausitz“, das von den Museen in Görlitz, Liegnitz und Breslau in Form von Ausstellungen, Publikationen, Vorträgen und Exkursionen durchgeführt wurde. 2000 wurde eine Neukonzeption der Förderungsprinzipien beschlossen, deren Änderungen im ersten Teil des Titels des Referats deutlich zum Ausdruck gebracht wurden: „Vom Bewahren der Erinnerung zum Mitgestalten der Europäischen Integration“.

Wolfgang Freyberg, Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen im Deutschordensschloss Ellingen, stellte die Zeitzeugenprojekte vor, die diese Institution durchgeführt hat. Im ersten, in Zusammenarbeit mit der Stadt Allenstein durchgeführten Projekt wurden ehemalige und auch zwei derzeitige Bewohner dieses Ortes nach der Wahrnehmung der Umgebung während ihrer Jugend bis 1945 befragt. Sie wurden im Fragebogen auf bestimmte Einrichtungen der Stadt aufmerksam gemacht, die mit dem Alltag der Kinder und Jugendlichen verbunden waren, Bahnhöfe, Straßenbahnen, Brauereien, Kasernen, Badeanstalten, Konditoreien, Jakobsweg, Schulen, Sportplätze. 2014 und 2015 folgte ein weiteres Projekt unter dem Titel „Unbeschwerte Zeit. Jugendjahre auf ostpreußischen Gütern und Landschlössern“ durchgeführt. 16 Personen aus dem ostpreußischen Adel (13 Orte) erzählten über ihre Jugend unter bestimmten Fragestellungen wie zum Beispiel „Leben und Gut“, „Politik und Krieg“ usw. Unter dem Leitthema „Erinnerungskultur vor Ort“ wurde das letzte Projekt in Zusammenarbeit mit dem Gebietsarchiv Kaliningrad realisiert. Sein Ergebnis ist eine Ausstellung unter dem Titel „Tilsit – die Stadt ohne Gleichen!“; der begleitende deutsch-russische Katalog erschien 2016.

Dr. Joachim Mähnert, Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg, erwähnte in seinem Beitrag über „Erinnerungsorte als methodisches Instrument in der Museumsarbeit“ einleitend die Proteste, die bei der Eröffnung seines Museums 1987 laut wurden. Das Haus in Lüneburg ist das einzige Museum für das „gesamte“ Ostpreußen und weist darüber hinaus einen interdisziplinären Charakter auf. Eines seiner letzten Projekte ist die Ausstellung „Wolfskinder“ über deutsche Kinder in Litauen nach dem II. Weltkrieg. Dr. Mähnert deutete darauf hin, dass der Mythos „Ostpreußen“ im Abnehmen begriffen ist. Man glorifiziere heute das Land nicht mehr. Stattdessen bilde sich modernes Denken über Ostpreußen heraus, das vor allem wissenschaftlich geprägt sei und zur Erforschung der Geschichte führe. Ostpreußen bleibe aber weiterhin ein Teil deutscher Identität.

Vor der Mittagspause wurden noch Führungen durch das Westpreußische Landesmuseum und seine Ausstellungen angeboten. Dr. Lothart Hyss und seine Stellvertreterin Juta Fethke M.A. zeigten den Tagungsteilnehmern die Dauerausstellung mit dem Titel „Begegnungen mit einer deutsch-polnischen Kulturlandschaft“ unter dem Hauptthema „Das Westpreußische Landesmuseum als Ort der Erinnerung und Erinnerungskultur“. Dr. Martin Steinkühler war für die Sonderausstellung „Orte der Erinnerung. Museales und individuelles Gedenken nach 1945“ verantwortlich.

Bei dem letzten Sitzungsblock wurden drei Referate gehalten. Prof. Dr. Winfrid Halder, Direktor der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus – Deutsch-osteuropäisches Forum in Düsseldorf, erörterte die Entwicklung, das Konzept und Perspektiven seiner Institution. Ihr Ziel ist die Erhaltung, Darstellung und Weiterentwicklung der Kultur der deutschen Siedlungsgebiete in Ost- und Südosteuropa in Nordrhein-Westfalen und in den Herkunftsgebieten der geflüchteten oder vertriebenen Deutschen.

Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg von der Universität Gießen stellte Geschichte und Gegenwart des Historischen Vereins für Ermland e.V. im Zusammenhang mit den Voraussetzungen der gegenwärtigen Erinnerungskultur dar. Der Verein wurde 1856 gegründet (Wiedergründung 1955) und hat zum Ziel, die wissenschaftlichen Forschungen zur Geschichte Ermlands zu initiieren und unterstützen. Diese Aufgaben sollen auf moderne Art und Weise realisiert werden. Das heißt, nationale Engführungen sollten überwunden und die Region als ein Teil Ostmitteleuropas betrachtet werden. Zu den nächsten Projekten gehört unter anderem die Quellenedition zur Kirchen- und Religionsgeschichte in Bezugnahme auf die europäischen Verhältnisse. Um dem Ansatz gerecht zu werden, soll das Projekte in enger Kooperation mit ausländischen Institution erfolgen.

Die Tagung wurde mit der Zusammenfassung von Prof. Dr. Arno Menzel-Reuters beendet, der alle Vorträge kurz skizzierte und sich herzlich bei den Referenten sowie allen Teilnehmern bedankte. Die vielen interessanten Beiträge boten fachmännische Einblicke auf die Erinnerung an die Deutschen im Osten und wurden breit und fachkundig diskutiert. Die Tagung gehört ohne Zweifel zu den sehr gelungen Veranstaltungen zu diesem Thema. Der wissenschaftliche Erfolg zeigt auch, dass es sich empfiehlt, die Kooperation von Historischer Kommission und Copernicus-Vereinigung fortzusetzen. Große Bedeutung für die gelungene Organisation und den Verlauf der Konferenz hatte bestimmt auch der Tagungsort: Das Westpreußische Landesmuseum war eine ansprechende und zum Thema gut passende Örtlichkeit. Man kann hoffen, dass es auch in Zukunft seine Türen für derartige Veranstaltungen offen halten wird.

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